Vor rund drei Jahren machte ich das erste Mal meine 7000-Höhenmeter Tour rund um den Vierwalstättersee. Seit dem stellte ich mir immer wieder die Frage ob wohl die Schallmauer von 10’000 Höhenmeter zu knacken wäre. Die 10’000 Höhenmeter wurden schliesslich zum Ziel und pünktlich zu meinem 5-Jahres Jubiläum als Singletrail-Guide wollte ich dieses Projekt realisieren. Es sollte eine Tour sein welche für mich "Sinn" macht und nicht nur eine Aneinanderreihung von Höhenmetern darstellt. Die Idee wurde immer konkreter und ich definierte eine Strecke welche an oder über alle Berge führt welche den Vierwaldstättersee und seine Region prägen. Am Mittwoch, 9. Juni 2010 war es dann soweit...

03:00 Uhr Stans - 0 Hm
Start zum Projekt 10’000 Höhenmeter. Mit meiner Out-Led Lampe ging es zu Beginn über Schotterwege und später auf schmalen und teilweise exponierten Singletrails Richtung Stanserhorn.
04:45 Uhr Stanserhorn - 1400 Hm.Die Trails waren wegen dem Vorabendlichen Gewitter nass. Es war extrem rutschig und ich konnte nicht wie gewohnt die höchsten Absätze und Steilstufen hochfahren. Für den erhofften Sonnenaufgang war ich etwas zu früh – aber es blieb leider keine Zeit um diesen abzuwarten. Bild: Blick über den Stanserboden (Lichter) zur Rigi (im Hintergrund) hinüber.
Strecke: Stans – Kälti – Chalcherli – Ahorn – Rinderalp – Stanserhorn – Rinderalp – Ahorn – Chalcherli – Büren
06:52 Uhr Ochsenweid - 2500 HmEs läuft und ich fühle mich sehr gut in Form. Der rund 400 Höhenmeter lange Anstieg von der Hasenmatt über Niederrickenbach zum Bleiki war wegen der Nässe ebenfalls sehr rutschig. Die Up-Hills zum Stanserhorn und Buochserhorn benötigten deshalb wesentlich mehr "Körnchen" als mir lieb war. Bild: Von der Ochsenweid (Buochserhorn) mit Blick ins Engelbergertal.
Strecke: Büren – Niederrickenbachstrasse – Hasenmatt – Niederrickenbach – Bleiki – Ochsenweid – Gibel – Umsetzer – Buochs
08:57 Uhr Klewenalp - 3600 Hm20 Minuten Verpflegungsstop bei meiner Schwiegermutter Moni, auf der Klewenalp. Pasta mit Olivenöl. Kurze Kettenschmierung und Auffüllen meines Getränkepulver-, Gel- und Riegelvorrates. Bild: Vom Klewen reicht der Blick zum Bürgenberg und zur Rigi wo ich ca 7 Std. später sein werde.
Strecke: Buochs – Ober Sassi – Steinstössi – Klewenalp – Gottfried-Stutz Weg – Stockhütte – Emmetten
09:45 Uhr Brennwald - 3900 HmEndlich werden die Trails etwas trockener. Die Beine fühlen sich nach wie vor locker an. Langsam aber sicher macht sich der Föhn bemerkbar - ich mache mir allerdings "noch" keine Gedanken darüber. Bild: Unterhalb vom Brennwald mit Blick über Seelisberg und das Seelisbergseeli. Im Hintergrund der Gitschenen und der Urirotstock.
Strecke: Emmetten – Sagendorf – Berennwald – Seelisberg – Bauen – Flüelen
13:13 Uhr Fronalpstock - 6200 HmNach den anfänglich recht rutschigen Aufstiegen kann ich nun einen tollen Rhythmus fahren. Ausserplanmässig muss ich allerding ein Gel nachschieben. Der extrem Steile Schluss-Up Hill vom Stoos zum Fronalpstock benötigt sehr viel Kraft. Die 30%-Rampen kann ich hochdrücken als ob ich erst 1000 Höhenmeter in den Beinen hätte. Dazu kommt jetzt aber der extrem starke Föhn welcher mich gar vom Bike gefegt hat. Auf dem Gipfel getraute ich mich kaum das Bike hinzulegen – mit Windböen von 140 km/h war die Gefahr gross, dass mein 8 kg Bike fortgeweht wird. Bild: Blick über Urnersee und zurück zum Seelisbergseeli und Brennwald. Die vorangegangenen Gipfel mit Stanserhorn, Buochserhorn und Klewen sind erkennbar.
Strecke: Flüelen – Axenstrasse – Sisikon – Riemenstalden – Wannentritt – Stoos – Fronalpstock – Stoos – Ibach - Seewen
16:39 Rigi-Kulm - 8000 HmGrosse Hitze im Aufstieg zum Urmiberg –Sonne und Föhn sind gnadenlos. Steile Rampen am Urmiberg und zur Rigi-Scheidegg fordern. Der Power ist aber immer noch da und ich kann auch die steilsten Anstiege mit meinem neuen Cannondale Flash hochfahren. Wegen dem starken Föhn ist es jedoch schwierig das Gleichgewicht zu halten und nicht vom Bike geworfen zu werden. 20 Minuten Halt und Pastaessen im Restaurant Burggeist auf der Rigi Scheidegg. Der Hunger ist gross... Die Zeit drängt um noch vor Dunkelheit die Vierwaldstätersee-Runde zu beenden. Bild: Von der Rigi Kulm hinüber zu Stanserhorn, Buochserhorn und Klewenalp wo ich vor rund 10 Stunden war.
Strecke: Seewen – Urmiberg – Gätterli – Rigi Scheidegg - Rigi Kulm – Chänzeli – Küssnacht
17:59 Uhr Dietschiberg - 8400 HmDie Beine sind müde geworden. Ich muss einen Zacken kleiner fahren. Den Abschnitt über den Meggener Wald und den Dietschiberg bis nach Luzern kann ich gleich als „Regenerations-Fahrt“ verwenden. Über dem Entlebuch türmen sich riesige Gewitterwolken auf – hoffentlich kommen diese nicht bis zum Pilatus. Bild: Luzerner Seebucht mit Pilatus (rechts) und Stanserhorn (links).
Strecke: Küssnacht – Allmig – Tschädigen – Adligenswil – Dietschiberg – Luzern
19:20 Uhr Fräkmüntegg - 9400 HmDie Müdigkeit im Körper ist grösser als im Kopf. Ich realisiere, dass ich vor der Dunkelheit das Ziel erreichen werde. Ich fahre für mich nun eher ungewohnt kleine Gänge. Der Rhythmus ist jedoch hoch und es geht nach wie vor gut voran. Der Föhn lässt allmählich nach - das Wetter hält zum Glück - fragt sich nur wie lange noch... Momentan könnte wohl nur noch ein Gewitter meine 10’000 Höhenmeter verhindern. Bild: Abendstimmung über dem Vierwaldstättersee mit Rigi (Hintergrund) und Bürgenstock (Vordergrund).
Strecke: Luzern – Krienseregg – Fräkmüntegg – Alpgschwänd – Renggpass – Alpnachersee – Stansstad
21:10 Uhr Bürgenberg - 10‘000 HmJeeeeeeeeeaaaaaaaaaa, ich hab’s geschafft. Mit kleinem Gang und schneller Kadenz schaffte ich diesen letzten prägenden Berg der Vierwaldstättersee-Region. Ein Denkwürdiger Punkt denn von hier sieht man alle Berge wo ich heute unterwegs war… Ich fühle mich erstaunlich gut - wahrscheinlich ist es auch die Euphorie. Allerdings habe ich Hunger und die Konzentration lässt nun merklich nach. Deshalb entscheide ich mich am Schluss die Schotterstrasse und nicht den Trail hinunter nach Stans zu nehmen. Im Wald ist es zudem schon ziemlich dunkel und im allerletzten Tageslicht erreiche ich um 21:36 Uhr unser zu Hause. Bild: Über das Beckenrieder Seebecken sieht man zurück bis zum Fronalpstock (Bildmitte) auf welchem ich vor exakt 8 Stunden stand.
Strecke: Stansstad – Obbürgen – Trogen – Egg – Ätschenried – Stöckmatt – Studenhütte – Stans
Fakten zur Tour
- 230 Kilometer und 10‘062 Höhenmeter
- 18:36 Stunden war ich unterwegs
- 15:36 Stunden reine Fahrzeit
- 3:00 Stunden Pausenzeit
MaterialMein neues Cannondale Flash. Ohne dieses Bike wäre die Tour eventuell gar nicht möglich gewesen. Noch nie bin ich mit einem Bike so leicht gestiegen, noch nie bin ich mit einem Bike so steile Trails und so schwierige Schlüsselstellen hochgefahren… Für mich ein komplett neues Fahrgefühl.
Bericht der Nidwaldner Zeitung









